Sonntag war es mal wieder soweit. Man steht viel zu früh auf, setzt sich 5 Stunden ins Auto, nur um durch überlaute Messehallen zu laufen bis man seine Füße nicht mehr spürt und von von jungen und alten Beutelratten überrannt wird. Kurz gesagt, der alljährliche Ausflug zur CeBit stand an.
Die Hinfahrt
Es schneit. Morgens um 5 Uhr ist die Straße leer und schneeweiß, ein einsames Räumfahrzeug versucht vergeblich etwas Rutschfestigkeit in Form von Salz auf die Straßen zu bringen. Ein kurzer Rutschtest mit (winterfesten) Schuhen lässt die Hoffnung auf eine schnelle Anfahrt nach Hannover schwinden. Um 6 Uhr sind schließlich die Kollegen mit dem Leihwagen da, ein hübscher 5er BMW, neuestes Modell, immerhin etwas worauf man sich verlassen kann.
Kurz darauf die Erkenntnis, dass ein BMW mit Heckantrieb auf Schnee doch nicht der Weisheit letzter Schluß sein kann. Intuitiv will ich die Strecke Nürnberg - Kassel - Hannover vorschlagen, doch das Navigationssystem ist anderer Meinung. Ich lasse mich überstimmen, mit der Folge das wir nach 2 Stunden auf einer völlig zugeschneiten Autobahn mit 80 km/h Richtung Leipzig unterwegs sind. Jeder Überholvorgang wird dank fehlendem Räumdienst (wo zum Henker stecken die um 8 Uhr?) und Heckantrieb zum einmaligen Erlebnis. Wir beschließen, wenn wir nicht bis 13 Uhr in Hannover sind fahren wir direkt wieder nach Hause.
Doch man hat Einsicht mit uns. Nach ca. 1/3 der Strecke übernehme ich das Steuer und das Wetter bessert sich langsam. Die Straßen wechseln von schneebedeckt zu matschig, dann zu nass. Schließlich, kurz vor Hannover, sind die Straßen trocken und die Sonne kommt zum Vorschein. Auch das Navigationssystem leitet uns jetzt zielsicher bis auf den Messeparkplatz. Eine fröhlich grinsende Parkeinweiserin winkt uns zentimetergenau in die Parklücke. Schade eigentlich, so konnte ich nicht mal das Einparkradar testen.
Auf der Messe
Vor uns befindet sich der Eingang OST 2 des Messegeländes Hannover. Nichts wie rein, draußen ist es empfindlich kalt. Irgendwie fühlt man sich beim Betreten der Messehalle fast wie zu Hause, alles ist so wie man es das letzte Jahr nach der CeBit zurückgelassen hat.

Man taucht ein in das wochenendliche Getümmel, geprägt von Leuten mit Werbetaschen, voll mit Werbegimmicks, eben die bereits erwähnten Beutelratten. Einen netten Artikel hat da auch onlinekosten.de zu bieten.
Und jetzt gleich mal zum Problem des Tages: Zu wenig Zeit. Man hat nur Zeit oberflächlich durch die Hallen zu streifen, für genauere Untersuchungen einzelner Stände und Produkte ist eigentlich keine Zeit. Ausserdem herrscht in diesen Hallen eine derartige Reizüberflutung, dass es schwierig ist, sich auf etwas zu konzentrieren. Überall lauern Standbunnies, die leichtbekleideten Damen mit dem strahlenden Lächeln und meistens leider nicht allzu großem Fachwissen. Aber darauf kommt es da auch nicht wirklich an oder?

Das erste was mich wirklich begeistert hat, war der QuadHDTV
Bildschirm der Firma Chimei. 56 Zoll bei einer Auflösung von 3840x2160 Pixel, das muss man mal live gesehen haben, wie gut das in Realität aussieht.

Am T-Mobile Stand durfte ich den Prototyp des MDA Vario II bewundern, der im Sommer erscheinen und wahrscheinlich dann irgendwann mein Nokia 6600 ersetzen wird. Das Ding ist teuflisch praktisch, und für ein Gadget wie den Vario nehme ich sogar Windows Mobile in Kauf. 

Zwischendurch laufen einem die ge'bodypaint'eten Models von VK Mobile über den Weg, die leider nicht für ein richtiges Foto stehenbleiben durften. Der verwackelte Schnappschuß erklärt sich dadurch, dass 100 Leute hinter einem unbedingt näher ran wollen und wie die Ratten beim Rattenfänger hinter den Models durch die Halle schlurfen.

Bei Microsoft ist man nicht so freigiebig mit Fotos. Als ich eine Vorführung von Windows Vista fotografieren wollte, bekam ich ziemlich forsch mitgeteilt, dass keine Fotos erlaubt seien. Klasse Microsoft, Windows Vista ist auch wirklich sehr geheim, wieso bringt ihr es überhaupt auf die Messe mit wenn man keinen Bildbeweis davon haben darf? Allerdings hatte keiner der MS-Jünger etwas dagegen, das ich ihren Energydrink fotografiere, der übrigends schneller in Taschen und Beuteln verschwand als die Jungs mit Auspacken nachkamen.

Und jetzt zu einem meiner Messe-Highlights: Der Stand des Metro Future Stores. Ja, die mit den RFID-Einkaufsplaketten und passenden Datensammel-Einkaufswagen. Die die mich kennen wissen, dass ich auf solche Aktionen nicht gut zu sprechen bin. Gründe gegen RFID wie es Metro vorhat gibt es ausführlich z.B. beim FoeBuD. Allerdings muss man ja auch mal sehen was die andere Seite so vorhat, also nichts wie rauf auf den Stand. Dort standen dann auch die tollen Einkaufswagen mit RFID-Technik. Also probiert man das halt mal aus. Und wie soll ich sagen... Es hat nichts funktioniert. Der Sinn ist ja eigentlich, dass man Artikel in den Wagen legt und daraufhin der Artikel auf dem integrierten Display am Wagen auftaucht.
Das ging beim ersten Artikel gut, aber sobald ich dann den zweiten Artikel in den Wagen gepackt habe, verschwand der erste Artikel auf einmal wieder vom Display. Auch wenn man zwei Artikel gleichzeitig oder kurz nacheinander in den Wagen geworfen hat, wurden sie nicht angezeigt oder verschwanden auf einmal wieder. Ganz tolles Kino! Ich konnte meine Belustigung wohl vor den umstehenden Messebesuchern nicht ganz verbergen, jedenfalls meinte ein Kollege, der Mitarbeiter von Metro hätte wohl schon ziemlich böse ausgesehen. Bilder vom Metro Stand gibts auch in der Gallerie, zusammen mit allen anderen Bildern von der CeBit.
Alles in allem war es eine ganz nette Show, auch wenn ich wenig Revolutionäres zu sehen bekommen habe. Für genauere Blicke blieb leider keine Zeit. Denn pünktlich vor der Rush-Hour ging es wieder nach Hause...
Die Heimfahrt
Sebastian ist ja schlau und will nicht noch mal ins Winterwunderland nach Leipzig fahren. Also geht es zurück (trotz Protest des Navis) über Kassel. Natürlich stehen wir sofort nach Auffahrt auf die Autobahn im Stau, für 60+ Minuten. Fast direkt vor uns hat es nämlich heftig gekracht. Glücklicherweise hat der BMW Fernsehen an Bord. Bilder aus dem Stau gibt es auch, am Ende der Bildergalerie. Danach lief zum Glück alles glatt und wir kamen noch zu einer relativ humanen Zeit an. Besser als die Kollegen die Samstag fuhren und erst Sonntag um 4:20 Uhr daheim waren.