...und das obwohl Saft doch so gesund ist!
Das Saftblog ist das Firmenblog einer Kelterei, welche Obstsäfte herstellt. Nun sollte man meinen, dass sich so ein Blog gut mit dem olympischen Gedanken verträgt. Saft ist schließlich gesund und enthält viele wichtige Vitamine, was ja auch für Sportler wichtig ist.
Aber weit gefehlt! Statt sportlicher Fairness gab es eine Abmahnung vom Deutschen Olympischen Sportbund e.V. mit einem Streitwert von 150.000 EUR. Und das ganze einfach nur deshalb, weil der Inhaber in zwei Artikeln über die Olympiade und die Olympischen Spiele schreibt und in einem davon die 5 olympischen Ringe abbildet. Anscheinend werden die Überschriften der Artikel von diesem Verein als "Slogans" gewertet, um als "Meta-Tag" potentielle Kunden auf die Homepage (der Kelterei) zu locken. Eine Zusammenfassung gibt es beim Saftblog selbst, Kommentare zu der Sache an vielen Stellen, zum Beispiel beim Lawblog oder bei Indeskretion Ehrensache.
Lieber Deutscher Olympischer Sportbund e.V., meiner Meinung nach habt ihr zu oft einen Diskus an den Kopf gekriegt. Unsportlicher geht es wohl kaum, aber es bestärkt mich in meiner Vermutung, dass der olympische Gedanke schon längst nicht mehr zu euren Zielen gehört. Vielleicht solltet ihr mal in euch gehen und überlegen, ob so etwas noch verhältnismäßig ist oder nicht. (Es gibt da etwas, das nennt sich "kommunizieren", evtl. solltet ihr das mal versuchen bevor ihr die Anwälte losschickt. Soll angeblich bei den meisten Menschen funktionieren.)
Update:
Erstmal, eine juristische Analyse gibt es beim Law-Blog.
Der Deutsche Olympische Sportbund hat eine Antwort verfasst, beziehungsweise der Pressesprecher. Das soll wohl die Wogen glätten aber bei Formulierungen wie den folgenden glaube ich irgendwie nicht daran, dass das funktioniert:
Da gibt's Trittbrettfahrer - die gibt's gar nicht. Wir meinen nicht die Schule, die Sommerspiele ausrichtet. Oder den Gastwirt, der den Olympiaspieß grillt. Vielleicht auch nicht den guten Walther-Saft - aber leider konnten unsere Anwälte das noch nicht beurteilen.
Aha.. also erstellen die Anwälte des DOSB eine 17seitige Abmahnung mit einem Gegenstandswert von 150000 EUR ohne beurteilen zu können ob das überhaupt verhältnismäßig ist? Das klingt irgendwie nach "erst draufhauen und danach schauen was man getroffen hat".
Weil sich das Unternehmen noch nicht beim Absender gemeldet hat. Schade, denn sonst hätten sie erfahren, dass es in der Vergangenheit viele Fälle gab, bei denen die Abmahnkosten deutlich gesenkt wurden, weil sich herausgestellt hat, dass es sich um einen "kleinen Fisch" handelte.
Hmja, zuerst 17 Seiten Text von Anwälten verfassen lassen und danach sagen: Ist ja nicht so schlimm, man kann ja mit uns reden, dann machen wir es etwas billiger? Das zeugt von Größe. Irgendwie würde ich den Text der Abmahnung ja gerne mal sehen, um zu sehen wo der DOSB da den Gegenstandswert von 150000 EUR festmacht. Was genau in den Artikeln so schlimm gewesen sein soll, wo der entstandene Schaden ist, das ist mir wirklich nicht klar. Dem Lawblogger anscheinend auch nicht.
Aber zurück zum Schutz von Markenrechten: Wir schützen unsere Markenrechte gegen Unternehmen - bis hin zu Weltkonzernen - die genau wissen, was sie tun, wenn sie im Windschatten eines Symbols wie den Ringen segeln.
Das kann ich ja noch verstehen, aber wo soll das in diesem Fall so gewesen sein? Wo hat die Kelterei einen Vorteil dadurch? Die Artikel sind neutral, und anscheinend kann niemand außer den Anwälten des DOSB erkennen, was denn nun diese Abmahnung rechtfertigt.
2. Update:
Gleich im ersten Kommentar wird beschrieben, wie der DOSB auf diesen hohen Geldwert kommt. Jetzt erklärt mir mal einer mit gesundem Menschenverstand, wie zwei neutrale Artikel die jährlichen Lizenzeinnahmen des DOSB in Höhe von 5.250.000,– Euro massiv beeinträchtigen bzw. gefährden? Nene, ich vermute der DOSB lernt inzwischen auf die harte Tour, das man die Bloggergemeinschaft lieber nicht auf solche Dinge aufmerksam machen sollte. Die Erkenntnis das man sich gerade Nachhilfe in negativer PR eingefangen hat dürfte dort langsam ankommen.