Nein, Krnk ist kein Schreibfehler. Das ist das Geräusch, welches eine abbrechende Edelstahlschraube macht. Aber dazu später mehr.
Einige die mich privat kennen wissen es vielleicht: Ich ziehe um. Nach Nürnberg. Man könnte sogar sagen ich bin mittendrin.
Heute Morgen, ca. 8 Uhr. Ein seltsames Geräusch erklingt. Ich liege noch im Halbschlaf und kann das neue Geräusch zuerst nicht einordnen. Als mir klar wird, dass das meine neue Türklingel ist reißt es mich aus dem Bett. Etwa 1,34 Sekunden später reißt es mich wieder und zwar zu Boden. Erste Feststellung des Tages: Mit nackten Fußsohlen rutscht man auf dem Boden der neuen Wohnung viel leichter als gedacht.
Mit leicht verzerrtem Gesicht öffne ich die Tür. Mein Gesichtsausdruck wechselt daraufhin von leicht verzerrt auf extrem verwundert. Denn vor meiner Tür steht kein Mensch, vor meiner Tür steht eine Waschmaschine.
Einen Besuch der versteckten Kamera schließe ich aus. (Vor allem weil ich nicht glauben will, dass die ihre Daten direkt vom Einwohnermeldeamt bekommen.) Ich beginne hektisch zu überlegen ob ich gestern bei Amazon versehentlich auf den "Kunden, die diesen Artikel gekauft haben kauften auch.." Link geklickt habe und zu meinem Toaster jetzt eine Waschmaschine geliefert wird.
Bevor ich meinen Kopf noch weiter anstrenge versuche ich es erst einmal mit Kommunikation. Ich strecke meinen Kopf weiter aus der Tür und sage leise: "Hallo?". Daraufhin wird rechts von mir die Tür aufgerissen und mein Nachbar schaut mich an. Ich nehme jedenfalls an das er mein Nachbar ist, denn wir sind uns bisher nicht begegnet. Er mustert meine barfüßige Gestalt und fragt: "Oh, haben die bei ihnen auch geklingelt?"
Als ich das nach kurzer Bedenkzeit bejahe entschuldigt er sich vielmals. Kein Problem für mich, er ist anscheinend ein netter Kerl und ich wollte sowieso bald aufstehen. Ich schließe die Tür und betrauere noch ein wenig den Verlust meiner fast sicher geglaubten Waschmaschine.
Schnell die Brötchen in den Ofen und nebenbei alle Unterlagen zusammengesucht die ich benötige um mein Auto nach Nürnberg umzumelden. Vorteil für mich: Ein etwas geringerer Preis für die KFZ-Versicherung, da die Leute in Nürnberg anscheinend vernünftiger fahren als die Leute in Schwandorf.
Gestern bei der Fahrt zur Wohnung habe ich Schilder gesehen die auf die KFZ-Zulassungsstelle hinweisen. Ich beglückwünsche mich innerlich zu dieser Gedächtnisleistung so früh am Morgen und suche trotzdem sicherheitshalber die Adresse raus, fürs Navi. Kurz alles eingepackt und auf zur Zulassungsstelle!
Zuerst denke ich, ich wäre dem Navi auf den Leim gegangen, aber nein! Hinter der Gärtnerei kommt auf einmal ein flaches Gebäude in Sicht. Die Zulassungsstelle. Also schnell geparkt und die Kennzeichen abmontiert. Aber von wegen schnell. Okay, das Parken vielleicht, aber das Abmontieren erweist sich als Akt der Unmöglichkeit. Die Halterungen der Kennzeichen verfügen über keinen wie auch immer gearteten Öffnungsmechanismus. Das Kennzeichen steckt in allen vier Ecken in einer Lasche, oben und unten in der Mitte der Halterung befinden sich ebenfalls vorstehende Plastikteile, welche das Kennzeichen an seiner Stelle halten.
Ich stehe vor dem Kennzeichen und warte auf einen Geistesblitz. Als keiner eintritt greife ich auf grobe Gewalt zurück, vor allem als ich bemerke das eine der Laschen an der Halterung sowieso schon (wohl beim Anbringen der alten Kennzeichen) Schäden davongetragen hat. Vielleicht sind das ja einfach Einweg-Kennzeichenhalterungen? Ich schiebe einen Schlüssel in die Ritze zwischen Kennzeichen und Halterung und beweise erneut das Hebelgesetz. Das Hebelgesetz beweist mir im Gegenzug, dass es lieber den Schlüssel verbiegt als das Plastik der Halterung. Etwas perplex bewundere ich meinen neuen 90°-Schlüssel, bekomme neuen Respekt vor dem Begriff Hartplastik und greife mir einen etwas hochwertigeren Hebel. Mit diesem gelingt es mir dann doch noch, unter teilweiser Zerstörung der Halterungen, die Kennzeichen zu entfernen. Gleichzeitig habe ich den Kennzeichen einen modernen Wellen-Look verpasst, aber Blech ist da zum Glück nicht nachtragend.
Das Beantragen der neuen Kennzeichen ist eigentlich kein Problem. Die Dame ist dankbar, dass ich den eigentlich schon ungültig gemachten alten Fahrzeugbrief dabeihabe, denn "Die ham ja in den neuen Brief nur die Hälfte reingeschrieben!". Nimm das, Landkreisamt Schwandorf! Danach soll ich mir neue Kennzeichen prägen lassen. Ich trete vor das Gebäude und sehe an der Rückseite der Gärtnerei ca. 5-6 Kennzeichen-Druck-Läden. Kurz zögernd lasse mich dann von niederen Instinkten leiten und gehe auf die Wellblechbude mit dem größten Neon-Anteil in der Werbeaufschrift zu. Zwei mal Eurokennzeichen, macht 24€. Das Ummelden an sich mit Wunschkennzeichen macht übrigens knapp über 40€! Neue Feinstaubplakette nochmal 5€ extra.
Ich komme mit den neuen Kennzeichen zurück zum Auto und montiere sie. Das geht übrigens seltsamerweise viel einfacher, jetzt wo die Halterungen halb zerstört sind. Also entschließe ich mich, bei einem AutoTeile Händler der auf den Namen Unger hört neue Halterungen zu kaufen. Schließlich will ich in zwei Wochen nicht schon wieder neue Kennzeichen drucken lassen. Also kurz hingefahren, gekauft (8€) und beschlossen dank passendem Werkzeug die Halterungen direkt dort auf dem Parkplatz zu montieren. Ich drücke leicht gegen die alte Halterung und das Kennzeichen fällt mir quasi entgegen. Okay, deutliches Zeichen dafür, dass neue Halterungen nötig sind. Die Schrauben sind arg verrostet, aber sehen so aus als könnte man sie durchaus noch abschrauben. Ich setze also mein Werkzeug an und übe etwas Drehmoment auf die Schraube aus. Und noch etwas mehr, schließlich ist sie ja verrostet...
KRNK
Kennt ihr so Momente? Die Momente wo man an nichts Böses denkt und mittendrin kommt der für Karma zuständige Gott vorbei und ist der Meinung ihr hattet zu viel gutes Karma in letzter Zeit? So ein richtiger "Oh Fuck!" Moment? So ungefähr ging es mir als ich den Kopf der Schraube in der Hand hatte und leicht geschockt auf den in meiner Karosserie steckenden Rest der Schraube blickte. Auch intensives Wunschdenken lies den Schraubenkopf nicht wieder an die alte Stelle zurückkehren. Fakt ist, er steckt zur Zeit immer noch in meinem Werkzeug. Bitte sehr:

Kurze Ratlosigkeit, gefolgt von der plötzlichen Erkenntnis, dass man das ja so nicht lassen könne. (Das vordere Kennzeichen habe ich erst gar nicht mehr angefasst.) Also was nun? Ich entschließe mich, den Toyota-Händler meines zukünftigen Vertrauens (aus dem Grund, weil er gleich in der Nähe der Wohnung liegt) aufzusuchen. Also das Kennzeichen und die Halterung mit Duct Tape fixiert und auf zum Toyota-Händler.
Ein recht großes Autohaus, aber mich empfängt zufällig der Senior-Chef persönlich. Er wirft sich gleich die Jacke über und sieht sich die Sache an. Kurzer Blick dann: "Ja, das müssen wir dann wohl rausbohren." Ich schalte in den Dummy-Modus und stimme einfach mal zu. Was besseres fällt mir sowieso nicht ein. Klar das ich gerade zur Mittagszeit komme, aber der Chef treibt einen seiner Mechaniker auf und bittet ihn, doch "schnell mal" die Schraube da rauszubohren. Mein Optimismus steigt, nicht zuletzt weil "schnell mal" eventuell keine allzu hohe Rechnung bedeutet.
Der Chef spendiert gleich neue Kennzeichenhalterungen (an die von ATU denke ich in diesem Moment gar nicht) und beginnt gleich das vordere Kennzeichen abzuschrauben. Jetzt lerne ich zwei wichtige Details meines Toyota Avensis kennen:
- Die vordere Kennzeichenhalterung ist mit kurzen Schrauben an Einsätzen montiert, nicht direkt an der Karosserie. Es ist kein Problem diese abzunehmen.
- Nachdem ich hinter dem Auto mehrmals ein "DAS DARF DOCH NICHT WAHR SEIN" höre wird mir gezeigt, dass das hintere Kennzeichen mit 4cm langen Edelstahlschrauben DURCH DIE KAROSSERIE befestigt ist! Der Mechaniker nimmt einen Teil der Innenverkleidung ab und zeigt mir das Ende der Schraube das dort Plan mit der Innenseite der Karosserie abschließt.
Der Mechaniker greift nun tief in die Trickkiste. Er zaubert einen Spezialbohrer und eine Spezialpaste für den Bohrer herbei die er von seinem Bruder erhalten hat welcher in der Luftfahrtindustrie arbeitet. Beeindruckt sehe ich zu wie er damit dem traurigen Schraubenrest und meiner Karosserie zu Leibe rückt.
Nur ca. 15 Minuten später hat die Schraube aufgegeben und sich herausbohren lassen. In kleinen Fetzen. Jetzt dreht mir der Mechaniker noch ein neues Gewinde in die Karosserie. Ich kann mein Glück kaum fassen als er mir zeigt, dass eine neue Schraube sich ohne Probleme in das Gewinde drehen lässt. Ich handle mit dem Chef noch einen sehr humanen Preis aus (immerhin war der Mechaniker insgesamt fast 30 Minuten beschäftigt) und darf dann wieder fahren. Und das Tollste daran: Die neuen Halterungen haben einen Öffnungsmechanismus.
Alles in Allem ein aufregender Tag bei der Zulassungsstelle. Jetzt muss ich nur noch rauskriegen wieso Toyota die Kennzeichenhalterungen hinten so befestigt als würde man annehmen ich würde einen Anhänger an das Kennzeichen hängen.
Update:
Wer weiss, wie man möglichst einfach Feinstaubplaketten von der Windschutzscheibe bekommt? Bitte melden!