Man hört unterhaltsame fröhliche Musik. Eine Patrone entsteht. Zuerst wird das Metall gestanzt und geformt, dann kommt Schwarzpulver und das eigentliche Geschoss dazu. Die Patrone läuft über ein Förderband in eine Kiste wo schon viele Brüder und Schwestern auf sie warten. Dann wird die Kiste verschickt. Nach einer abenteuerlichen Reise kommt die Patrone irgendwo in Afrika an. Dort wird sie bereits sehnsüchtig von einem Freiheitskämpfer erwartet, der sie in sein Magazin steckt und über ein Autowrack hinweg anlegt um seine Gegner damit zu töten. Die Kugel wird abgeschossen, sie verlässt den Lauf, fliegt durch die Luft... und hält kurz vor dem Gesicht eines vielleicht 12jähren Kindes an. Danach sieht man nur noch rot.
So beginnt Lord of War - Händler des Todes. Und diese Mischung aus schockierenden, realistischen Szenen und schwarzem Humor macht den Film so verdammt sehenswert. Bitte, bitte, nicht von dem Trailer täuschen lassen! Wer den zusammengestellt hat, hat den Film entweder nicht gesehen oder hat nicht verstanden worum es geht. Denn im Gegensatz zum Trailer ist der Film keineswegs ein knallharter Actionfilm, sondern eine Mischung aus tiefschwarzem Humor und dem Anprangern von derzeit real herrschenden Zuständen. Und das schafft der Film auf eine Art und Weise die einen voll fesselt. Man schwankt fast ständig zwischen Lachen und schockiertem Schweigen, und bekommt nebenbei einen Einblick davon, wie es heute auf der Welt zugeht.

Yuri Orlov (Nicolas Cage) hat sich vom kleinen Kriminellen zum größten Waffenhändler (oder Warlord) der Welt hochgearbeitet. Einer von 12 Menschen auf der Erde besitzt eine Waffe. Yuris einzige Sorge ist: Wie kann er die anderen 11 bewaffnen? Doch er ist nicht unbemerkt geblieben. Verfolgt wird er vom Agenten Jack Valentine (Ethan Hawk), welcher sich (zu Yuris Leidwesen) als unbestechbar erwiesen hat. Doch nicht nur Jack macht Yuri Sorgen, auch sein drogensüchtiger Bruder und seine Frau (die erst nach und nach versteht, womit Yuri sein Geld verdient) machen ihm das Leben nicht einfach.

Nicolas Cage spielt den Bösen mit brillianter Ausstrahlung und einer Mischung aus kaltblütiger Härte und sehr menschlichen Zügen. Mal verkauft er Waffen an einen Despoten der damit seine Kinderarmee ausrüstet, dann wiederum wirft er den Spielzeugrevolver seines Sohnes in den Müll, damit dieser nicht anfängt mit Waffen zu spielen. Ob sein Spruch Man sagt das Böse siegt, wenn die Guten tatenlos zusehen. Vielleicht sollte man sagen: Das Böse siegt immer.
zutrifft, muss jeder für sich im Kino selbst herausfinden.
Nachtrag:
Der Film wurde übrigends rein mit europäischen Geldern finanziert, und in den USA kommt er seltsamerweise gar nicht so gut an. Ob das wohl an der Rolle der USA als Waffenlieferant im Film liegt?