Der Mann mit der Peitsche ist wieder da! Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels ist diese Woche angelaufen. Also die letzten Euros vom Sparbuch gekratzt und damit die darbende Filmindustrie unterstützt. Übrigens, welchen Grund hat es eigentlich, dass ich bis zum 11. Juni keine Freikarten für Indiana Jones eintauschen darf? Geht es nur darum die Statistiken der eingespielten Gelder für den Film zu "bereinigen"?

Zwei Stunden später (mit Werbung 2,5 Stunden später) komme ich aus dem Film und kann grundsätzlich zusammenfassen:
- Harrison Ford kann es noch. (Und die anderen Darsteller auch.)
- Lasst George Lucas bitte nicht mehr in die Nähe von Drehbüchern/Filmen
Jetzt etwas ausführlicher: Harrison Ford hat sich anscheinend daran erinnert was für ein guter Schauspieler er war und schlüpft in die Rolle von Indy als wäre er erst gestern den Nazis und Gralsrittern entkommen. Man kauft ihm den Indiana Jones ab, auch und vielleicht gerade weil er trotz einiger Actioneinlagen seinem Alter entsprechend manchmal wie ein in Ehren ergrauter Professor auftritt. Sobald er den Hut aufsetzt und die Peitsche schwingt IST er Indiana Jones, kein Zweifel.
Auch die anderen Rollen sind gut besetzt, Mutt (Indiana Jones - The Next Generation?) spielt seine Rolle überzeugend, aber ich hoffe Indy treibt ihm diese Frisur bald mal aus, das ist ja nicht mit anzusehen.
Marion kommt zurück und auch wenn manche sie nicht mögen: Sie ist die einzige Frau die Indy jemals Paroli geboten hat (und bieten konnte) und ich bin froh das man sie ausgesucht hat. Die Chemie zwischen Karen Allen und Harrison Ford stimmt einfach, das Grinsen das sie aufsetzt als sie Indy zusieht wie er (was auch immer) macht ist einfach Klasse.
Die osteuropäische Domina die hier als Gegenspieler von Indiana Jones auftritt wird von Cate Blanchett zum Leben erweckt. Auch wenn ich mit der Rolle an sich nicht soo viel anfangen konnte, Miss Blanchett hat sie gut umgesetzt, so glaubhaft wie möglich. Allerdings möchte ich sie bitte nicht allzu oft mit dieser Frisur sehen. (Hmm irgendwie hatte ich jetzt gleich zwei Frisuren in einem Film die mich gestört haben, das ist glaube ich Premiere.
)
Tja, nach den guten Dingen jetzt zu den nicht so guten. Wer zum Henker hat George Lucas das Drehbuch aussuchen lassen? Es gab einige Drehbücher für den Film, eines davon hatte auch schon die Zustimmung von Harrison Ford und Steven Spielberg, allerdings war George dagegen. Letztendlich durfte David Koepp das "Beste" aus allen Drehbüchern zusammenschreiben. Was dabei herauskam ist jetzt Indiana Jones 4. Der Film wirkt wirklich etwas zusammengestückelt und das "Alien" Thema hat mich nicht begeistert. Es hat sich einfach nicht in den Rest der Geschichte eingefügt und passt nicht zu Indiana Jones.
Davon abgesehen leidet der Film unter einem Effekt den ich jetzt einfach mal "Star Wars Episodentrauma" nenne. Im Voraus wurde stolz verkündet, der Film würde so weit wie möglich auf CGI verzichten und setzt stattdessen auf gebaute Sets und "echte" Special Effects. Nun, das war einfach nur gelogen. Es gibt glaube ich fast keine Szene in diesem Film die nicht digital nachbearbeitet wurde. Sozusagen eine schwächere Variante des Sprungs zwischen "Rückkehr der Jedi-Ritter" und "Episode I". Ich weiss nicht ob George Lucas Geld für ILM braucht oder ob er wirklich denkt, dass das den Film verbessert. Ich persönlich mag die alten Indiana Jones Filme, gerade weil sie "schmutzig" daherkommen und größtenteils auf Special Effects verzichtet haben (natürlich waren damals auch die Möglichkeiten nicht so gegeben wie heute). Aber ich brauche wirklich keine animierten Erdhörnchen, animierte Staubwolken wenn Indy irgendwo runterfällt oder animierte Ameisen die sie von den Mumien-Filmen geklaut haben. Man merkt leider in einigen Szenen die Special Effects übermäßig stark, und was bei den neuen Star Wars Filmen weniger ein Problem ist (weil dort ALLES computergeneriert ist), gereicht hier zum Nachteil für den Film.
Noch kurz zu zwei Stellen die sich mir eingebrannt haben: Der Kühlschrank und die Wasserfälle. Bitte, BITTE, etwas mehr Realismus. Wenn Leute im Kino anfangen zu lachen weil die Szene so unrealistisch ist kann das nicht im Sinne des Erfinders sein.
Mein Fazit für den Film: Geht ins Kino, ignoriert die Schwachstellen im Film und genießt es, Indy noch einmal auf der großen Leinwand zu sehen. Der Film ist es allemal wert, denn niemand kann "Dr. Henry Walton Jones, Jr." ersetzen.